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Künstler aus Bonn Sergey Arndt-Kossenko

PRESSE"Almaty Rundschau", 31.07.1998
«Als Sergey sich an der Staatlichen Abaj-Universität Kasachstan um die Zulassung für die Fakultät für Malerei und Grafik bewarb, besass er so gut wie keine Vorkenntnisse. „Ich wusste nicht einmal, das Farben zu mischen sind!“-lacht der Künstler.
Sergey begann seine Laufbahn mit grafischen Werken und ging später zur Malerei über.
Er arbeitete in der Galerie „Tengri Umaj“, erst als Veranstaltungshelfer, später als stellvertretender Leiter.


In den Künstlerkreisenwurde Sergey bereits 1993 anerkannt. Bei dem breiten Publikum jedoch fanden seine Bilder zunächst nur langsam Verständnis. So wurden z.B. seine Werke aus dem Jahre 1993 erst 1994 oder 1995 verstanden.

Auch wenn man ein Gemälde sehr lange studiert, bleibt dieses dennoch ein Rätsel, eine Inspirationsquelle für neue Ideen und Anhaltspunkte. Durch seine Mitwirkung verleiht der Betrachter dem Bild ein neues Leben, er lässt Farben, Formen und Raum darin neu entstehen.
Des Bildes Reichtum an Charakter, Form- und Farbnuancen hängt vor allem mit der geistigen Entwicklung zusammen, so Sergey; jeder sieht, was er sieht, was er sehen kann.

Bei der Betrachtungeines abstrakten Werkes sollte man sich von seinen innersten intuitiven Empfindungen leiten lassen, so der Künstler. Abstrakte Bilder sind sogar leichter zu verstehen als gegenständliche, man sollte bloss aufhören, sie als Rätsel zu betrachten und nach Chiffren zu suchen.
Zur Zeit bereitet sich Sergey auf die Umsiedlung nach Deutschland vor. Nicht etwa, weil er hier nicht anerkannt wird oder weil das Leben dort besser ist, sondern weil seine im deutschen Konsulat angestellte Ehefrau dorthin versetzt wird... Eine ziemlich banale Geschichte.»
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Künstler aus Bonn Sergey Arndt-Kossenko

Sergey Arndt-Kossenko

Digitale Malerei: © Maria Viktoria Lazer, vilagrafik


«General Anzeiger», 14./15. Mai 2011, Duisdorf

«Das Abstraktezieht sich durch das gesamte Werk von Sergey Arndt-Kossenko...So muss man bei dem Bild «Das Geheimnis der Zeit» einige Schritte zurück treten und das Werk länger betrachten: Dann erkennt man in dem scheinbaren farblichen Durcheinander Gestalten und Landschaften. Auch die figurativen Bilder...sind abstrakt gehalten.»
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Auftritt bei der Vernissage: Mit seinen Songs zieht Jun Fukuda "Der Rockstar" das Publikum in seinen Bann.



©  Heike van den Bergh BETRACHTUNGEN

«Das Geheimnis der Zeit»

Auf diesem Ölgemälde im Längsformat scheint ein rötlich-beige-bräunlicher Untergrund mit weißen Strichen und Flächen fast «freigekratzt» zu sein, zumindest vermutet man eine solche Technik anlässlich der sehr plastischen Wirkung und ihrer Dreidimensionalität. Im Zentrum des Bildes scheint eine figürliche Darstellung eines gebückt Dastehenden aus dem weißen Linienstrich erkennbar zu sein, der aber nicht in einem runden Kopf, sondern in einem flaschenhalsähnlichen, zylindrischen oberen Ende gipfelt. Zu seinem unteren Ende hin – den Füßen? – ist er fast verdeckt von zwei schwungvollen, parallel von links nach rechts oben gerichteten weißen Kurven, die mit einer Art Gitterstäben verbunden sind. Zu seiner Rechten Seite des Kopfes hin dringt wie von außen ein in kräftigerem Weiß gehaltenen vogelartiges Wesen mit langem Schnabel in das Bild hinein, das zwischen seinem Schnabel noch wie an einem Stiel eine runde Sonne oder vielleicht Standuhr zu halten scheint, die von der obersten, rechten Bildecke herabblickt. Zur linken Seite der Person ist der rosig-beige Hintergrund wie in einer Lichtspiegelung auf dem Wasser oder in einer Waldlichtung von weißlichen Strukturen und Linien durchzogen, aus denen scheinbar eine Kugel über dem Flaschenhals der Person hervorgeht, rechts davon befindet sich die einzige, dunkel schwarz-braun gefärbte Struktur, die auch wieder einen Vogel darstellen könnte, der nach dem Ball oder der Frucht über dem Kopf der Person mit spitzem Schnabel greift.

©  Heike van den Bergh «Das Geheimnis der Zeit», Fortsetzung


2 Ich habe lange gesucht nach einer möglichen Deutung dieses Werkes angesichts seines Titels. Ich kam darauf, dass die Person, um die es hier geht, wie in einer Flasche in sich den Hintergrund ihres vergangenen Lebens bewahrt. Die Kugel an ihrem Kopfende könnte auch eine Frucht ihres Geistes sein, die der dunkle Vogel an sich zu reißen scheint, während der weiße Vogel ihn angreift und gleichzeitig Herr der Uhr, also der Zeit ist. Das kurvige Geländer zu Füßen der Person könnte ein Geländer sein einer Brücke oder eines Karussells, was man verstehen könnte als das Karussell des Lebens und der Zeit – oder wie Wilhelm Busch sagen würde: «Es saust die Zeit im Sauseschritt, sie saust dahin, wir sausen mit». Oder, um ein treffendes Wort von Grass zu benutzen: es stellt die untrennbare Verbindung und Aufeinandereinwirken von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dar: «die Vergegenkunft». Der Mensch als Gefäß seiner eigenen, erlebten und erfühlten Vergangenheit, die in den Tiefen seines Seelengefäßes im Hintergrund schlummert und auch in die Gegenwart und Zukunft fortwirkt. Der Vogel, der das Ei der Welt pickt und damit für die Unendlichkeit steht, kommt auch bereits in der christlich-jüdischen Mythologie vor. Ich deute den schwarzen und den weißen Vogel im Kampf um die Frucht oder das Ei so, dass die Zukunft für den Menschen noch nicht entschieden ist – wird sie dunkel ausfallen, oder licht, wird die Zeit somit weiterlaufen bis in die Unendlichkeit?



©  Heike van den Bergh BETRACHTUNGEN

«Die Berührung»Dieses Bild hat mich sofort sehr berührt. Die zarten, blütenartigen, weiß-bläulichen Elemente schweben fast über dem grünlich-braunen, wie in Kieselform kompakter wirkenden Untergrund, der zum Zentrum der unteren Bildmitte hin auf eine Tiefe zuzustreben scheint. Zuerst gewann ich den Eindruck, es seien tatsächlich zarte Blütenzweige, die wie ein Hauch über eine mauerartige, feste Form sich hinunterranken, wobei dabei fast schon der Moment der Zeit, der Prozess des Wachsens spürbar wird. Dann jedoch erschien mir der braune, steinartige Untergrund selbst wieder eine Spiegelung unter einer Wasseroberfläche zu sein, sodass man annehmen könnte, die Blüten – oder Schaumkronen? – brächen sich auf einem stillen, klaren, ruhenden Gewässer, unter dem der Untergrund, die braunen Steine, zu sehen sind.

©  Heike van den Bergh «Die Berührung», Fortsetzung


2 Das Bild gewinnt durch die Strukturierung der Oberflächen und eine zentral sich sammelnde Anordnung Tiefe und Bewegung. Es erschien mir als Symbol für jede Art zarter Berührung zwischen zwei Seinsformen oder Wesen – seien diese nun pflanzlich oder menschlich. Außerdem fühlte ich mich gleich auf den ersten Blick erinnert an japanische Meister aus dem 18. Jahrhundert, die es verstanden, sehr zart und reduziert mit sparsamen Mitteln etwas wie Unendlichkeit und die Bedeutung der Lücke und Leere auszudrücken. So könnte der Titel «Die Berührung» darauf hinweisen, dass der Künstler wie auch der Betrachter in diesem Bild die zarte Annäherung an und die Berührung der Unendlichkeit mit den äußersten Fingerspitzen wahrnehmen und erleben.



©  Heike van den Bergh BETRACHTUNGEN

«Schmetterling»Bei diesem Gemälde aus der Anima-Serie von Arndt-Kossenko ist wieder eine geheimnisvolle, mächtigen Zauber ausübende Frauengestalt zu sehen. Hier trägt sie ein schulterfreies, in seiner grünen, paillettenartigen Struktur an Figuren des Art-Deco erinnerndes Gewand, sie reckt die Arme hoch hinter den Kopf verschränkt, sodass auf ihrer linken Seite der Ansatz der Brust zu erkennen ist sowie ihre haarlosen Achseln. Das Bemerkenswerteste an dieser Figur ist jedoch eine netzartige, schwarze Kopfbedeckung, grün durchwirkt, die fast ihr gesamtes Gesicht durchlässig wie eine Maske verdeckt, nur der Mund ist ausgespart. Es fällt auf, dass ihre schlanken Oberarme dennoch trainiert und muskulös wirken. Hinter ihrem linken gereckten Ellenbogen scheint aus dem sie umgebenden beigen Hintergrund eine rosagetönte Unterschicht hervorzutreten,



© Heike van den Bergh, Autorin und Fremdsprachen-Dozentin,  www.languageteacher.de
apollundvenus.wordpress.com

©  Heike van den Bergh «Schmetterling», Fortsetzung


2 die man fast als Form eines Flügels definieren könnte. Es scheint, als würde diese geheimnisvolle, starke Frau auf ihre Umgebung Einfluss nehmen und sie verändern, aufweichen, während sie selbst ihre klaren Konturen und Strukturen behält. Ich deute dieses Bild in Bezug auf den Titel so, dass ein Schmetterling ja erst zum schönen, flatterhaften, verletzlich wirkenden Wesen werden kann, wenn er vorher eine gefräßige Raupe und dann eine wie erstarrte Puppe gewesen ist und diesen Kokon abgeworfen hat. Diese Frau hat auf jeden Fall alle Beschränkungen abgeworfen und entfaltet ihr Selbst schillernd, schön und geheimnisvoll in völliger Freiheit und Beweglichkeit.